Nachhaltigkeit, Reisen

Mit dem Zug durch Italien

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Letztes Jahr hatten wir den wohl schönsten Urlaub bislang. Wir sind von Hannover aus bis nach Italien mit dem Zug gereist. Der erste Halt war Rom, der nächste Neapel, dann ging es wieder nördlich nach Florenz und der letzte Stopp war in Venedig. Es war sehr anstrengend aber es hat sich so sehr gelohnt. Die Reise war abenteuerlich, erlebnisreich, spannend, sonnig, anstrengend, heiß, und wunderschön. Mein Ziel war es so nachhaltig wie möglich mein Reisejahr zu gestalten. In meinem Blogpost „Nachhaltiges Reisejahr 2019“ habe ich bereits einige der Auswirkungen vom Reisen angerissen. Aufgrund dessen stand schnell fest, dass wir mit dem Zug fahren wollten. Fehlte also nur noch das Ziel. Spanien ist mit dem Zug schwer zu erreichen, Frankreich finden wir nicht so interessant und die Länder in Osteuropa sind für uns ebenfalls nicht infrage gekommen. Also fiel unsere Wahl auf Italien, wo wir sowieso schon länger mal hin reisen wollten. Mit dem Flieger aus Hannover relativ schwer zu erreichen, mit dem Zug dafür einfacher. Zugreisen sind natürlich langsamer als Flugreisen aber dafür bekommt man ein Gefühl für die Entfernung und ist gleichzeitig klimafreundlicher unterwegs.

Hannover Hbf. – München Hbf. – Venezia Mestre – Roma Termini

Der erste Halt war in München. Die Fahrt von Hannover bis nach München dauerte etwas mehr als 4 Stunden. Da mussten wir dann nur den Bahnsteig wechseln und warteten auf den Nachtzug nach Venedig, welcher kurz darauf auch schon einfuhr. Leider hatten wir keine 2er-Kabine mehr ergattern können und haben mit 4 anderen Männern auf ziemlich unbequemen „Matratzen“ geschlafen. Aber immerhin konnten wir uns so mit anderen Menschen unterhalten und etwas über deren Geschichte erfahren. Ein Mann ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil dieser als Einziger in unserem Waggon an der Grenze zu Österreich von der Polizei durchsucht wurde. Ich war so schockiert von dem offensichtlichen Rassismus, der vor meinen Augen passierte. Letztendlich stellte sich heraus, dass er in Italien wohl gesucht wurde aber auch das entschuldigt ein solches Verhalten der Polizei nicht. Naja, nachdem das alles durch war und wir uns alle beruhigt hatten, haben wir uns mit allen nett unterhalten. Waschen und Zähne putzen konnten wir in einem kleinen Bad auf dem Gang. Bislang fand ich das alles nicht so schlecht wie mir von einigen im Vorhinein berichtet wurde. Mir wird in Zügen immer übel, also schluckte ich vor dem Schlafen gehen noch zwei Kapseln mit Ingwerwurzelextrakt und legte mich hin.

Geschlafen habe ich in der Nacht nicht wirklich aber der Ausblick als ich aufgewacht bin war unbeschreiblich. Wir fuhren gerade in eine Kleinstadt in Italien ein und ich spürte sofort dieses Urlaubsgefühl. Nach etwas über 9 Stunden sind wir in Venezia Santa Lucia angekommen. Dort angekommen mussten wir etwa eine Stunde auf unseren Zug nach Roma Termini warten. In der Wartezeit haben wir uns schon mal Venedig rund um den Bahnhof ein wenig angeschaut und was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Blick! Für all unsere Zugfahrten durch Italien mussten wir einen Monat vor der Reise die Sitzplätze in den Zügen über Interrail reservieren. Das hat immer super geklappt. Der erste Zug war ein richtig neuer Zug und wir waren direkt positiv überrascht von der Sauberkeit, dem Komfort und der Schnelligkeit der Züge in Italien. Die Fahrt hat nochmal 4 Stunden gedauert und endlich waren wir am ersten Ziel angekommen.

Rom

In Roma Termini angekommen ging es auf die Suche nach unserer Unterkunft, die wir vorab über booking.com (wie auch alle anderen Unterkünfte) gebucht haben. Mit unserem ganzen Gepäck fuhren wir mit der Metro bis zur Haltestelle „Flaminio“ und liefen die restlichen 10 Minuten zu Fuß. Zum Glück durften wir schon früher in unser Zimmer. Die Lage war relativ zentral und vor allem sehr nah an der Vatikanstadt. Das erste was wir gemacht haben: Mittagsschlaf. Danach ging es mir schon etwas besser, ich habe mich trotzdem noch gefühlt als wäre ich auf hoher See. Nichtsdestotrotz wollten wir die Gegend erkunden und vor allem etwas essen. Die erste Mahlzeit in Italien war, wie sollte es auch anders sein, Pizza Margherita. Ein Traum, das kann ich dir versichern! Gestärkt liefen wir los und landeten durch Zufall bei der Engelsburg und am Ende noch beim Vatikan. Aus welchem Grund auch immer, er erschloss sich uns nicht, kamen wir ohne große Wartezeit in den Petersdom und auch sonst war sehr wenig los. Die ersten Sehenswürdigkeiten hatten wir also schon „abgehakt“.

Für den nächsten Tag haben wir uns zu einer Free Walking Tour angemeldet. Das machen wir in so ziemlich jeder Stadt, um erst mal einen Überblick zu bekommen und gewisses Hintergrundwissen zu erlangen. Bei einer Free Walking Tour zahlt man am Ende dem Tourguide ein Trinkgeld, welches man für angemessen empfindet. Ich weiß, dass solche Touren auch in der Kritik stehen, weil die Guides einen teilweise nicht zu geringen Teil an die Organisation, mit welcher sie das machen, abgeben müssen. Trotzdem finde ich diese Möglichkeit super und meistens erfährt man auch Insiderwissen, da die Guides häufig Einheimische oder Studenten sind, die in der Stadt leben und diese daher nicht durch die touristische Brille sehen. Unsere Tour wurde von einem Kunststudenten geführt weshalb wir einiges an Kunstwissenschaftlichen Hintergründen erfuhren und in eine Kirche gingen, die wir sonst wohl eher nicht besucht hätten. Daneben besuchten wir ebenfalls die Klassiker: den Trevi Brunnen, das Pantheon, sowie weitere interessante und beeindruckende Sehenswürdigkeiten. Danach gingen wir auf eigene Faust weiter und kamen zufällig zu einem Gebäude, was uns den ganzen Aufenthalt über fasziniert hat – das Viktor-Emanuelsdenkmal (Altare della Patria). Einen Steinwurf entfernt ist das Forum Romanum und das Kolosseum. Letzteres besuchten wir am Tag darauf, das Forum Romanum bestaunten wir von draußen. Letztendlich gibt es in Rom halt sehr viel alten Stein. Ich dachte immer, dass ich das sehr langweilig finden würde aber wenn ich drüber nachdenke wie lange viele dieser Steine (und andere Materialien) da schon überdauern, bin ich dann doch auch ein bisschen in den Bann gezogen. Abends sind wir Essen gegangen und ich bestellte, nichtsahnend, das wohl leckerste Nudelgericht Italiens – Cacio e Pepe. Bevor sich jemand beschwert, ich habe in dem Urlaub mein überwiegendes Veganerdasein und streng genommen auch das Vegetarierdasein einfach mal zu Hause gelassen, um die Geschmäcker Italiens wirklich zu erleben. Ich finde in dem Fall kann man ruhig mal eine Ausnahme machen.

Wie bereits erwähnt, war unser erster Stopp für den 3. und somit letzten ganzen Tag in Rom das Kolosseum. Dafür sind wir extra früh dort hin gefahren. Die Tickets, die man online kaufen kann waren mir alle zu unseriös also mussten wir etwa eine Stunde anstehen. Endlich drinnen, konnten wir das Kolosseum in seiner ganzen Pracht bestaunen. Es war ganz gut, muss man auch mal gesehen haben aber es war definitiv nicht das beste an der Romreise. Danach sind wir zu Fuß in das Viertel Trastevere gelaufen. Viele kleine Gässchen, lecker duftende süße Restaurants und allerhand Handwerkskunst. Blöd nur, dass zur Mittagszeit dort fast alles geschlossen hat – quasi Siesta. Ein Restaurant haben wir dann trotzdem entdeckt und uns eine leckere Bruschettaauswahl bestellt. Von der klassischen Tomaten-Zwiebelmischung über Olivenpaste und Sardinen bis hin zu eingelegte getrocknete Tomaten haben wir es uns schmecken lassen. Für ein kleines Nickerchen sind wir über den Tiber zurück zu unserer Unterkunft gelaufen. Abends sind wir dann wieder nach Trastevere zurückgekehrt, diesmal allerdings mit der Metro und der alten Tram. Für mich gab es nochmal Cacio e Pepe und David hat sich all’Amatriciana bestellt. Beides, wie jedes Essen bislang, unendlich lecker! So ging unser letzter Abend in Rom zu Ende.

Neapel

Am nächsten Tag sind wir vormittags mit dem Zug weiter nach Neapel gefahren. Am Bahnhof angekommen, waren wir von Sekunde 1 an super vorsichtig mit unseren Sachen, weil wir einiges über Diebstähle gelesen hatten. Unsere Unterkunft lag in einer kleinen Seitengasse der Einkaufsmeile Via Toledo. Dementsprechend laut war es tags- sowie nachtsüber. Aber damit konnten wir leben. Nachdem wir uns kurz ausgeruht hatten, liefen wir in die Richtung in der wir das Meer vermuteten. Nach 3 Nächten in Rom, war das Meer genau das, was ich brauchte. Wir sind entlang der Promenade gelaufen und haben uns ein Restaurant gesucht. Es gab natürlich wieder Pizza. Erstaunt durften wir feststellen, dass die Preise in Neapel viel günstiger als in Rom sind. Das gilt übrigens im Allgemeinen für Neapel. Obwohl wir an der Promenade aßen, ein vermeintlich teurer Ort zum Essen, zahlten wir für unser Essen inklusive Getränke gerade mal um die 15-20 Euro. Wir sind danach weiter durch kleine Gassen wieder in Richtung Innenstadt gelaufen und haben am ersten Tag quasi alle Sehenswürdigkeiten entdeckt ohne es zu wissen.

Für den nächsten Tag haben wir uns wieder für eine Free Walking Tour angemeldet und sind durch die gesamte Stadt gelaufen. Unser Guide zeigte uns das Castel dell’Ovo, die Piazza del Plebiscito, die Galleria Umberto I und das Quarteri Spagnoli. Wie schon erwähnt, hatten wir fast alles von dem bereits am Vortag erkundet, hatten nun allerdings noch Hintergrundinformationen zu den Orten. Da wir von so ziemlich jeder Stadt auch ein Panoramafoto haben, wollte David unbedingt zu einem Aussichtspunkt. Wir entschieden uns für das Castel Sant’Elmo. Für den Hinweg sind wir mit einer Bahn steil den Berg hinauf gefahren. Den Rest sind wir zu Fuß gelaufen. Der Ausblick hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn es ein bisschen Überzeugungskraft gebraucht hat, um mich da hoch zu bewegen. Den Rückweg legten wir komplett zu Fuß zurück – das war, obwohl es bergab ging, vielleicht anstrengend. Als Snack zwischendurch kauften wir uns typische Sfogliatelle, was eine Blätterteigtasche mit süßer Ricottafüllung ist – einfach himmlisch!

Am letzten ganzen Tag sind wir, wie ganz viele andere Menschen auch, mit der Bahn nach Pompeii gefahren. Wenn wir schon mal in der Nähe sind, wollten wir uns das nicht entgehen lassen. Es war wirklich eindrucksvoll aber wie in Rom auch – halt sehr viel alter Stein. Wir haben uns keinen Guide oder Ähnliches gekauft, sondern sind auf eigene Faust mal links und mal rechts abgebogen. Staubig war es leider auch sehr. Grundsätzlich war Neapel wohl die Stadt, welche meiner Lunge am meisten zugesetzt hatte. Und dass obwohl sie am Meer liegt. Ich habe in Florenz den Unterschied so stark gespürt. Da konnte ich auf einmal Berge schnellen Schrittes hinauf laufen. Dazu aber später mehr. Neapel ist sehr voll und man muss aufpassen nicht von einem der vielen Mopeds über den Haufen gefahren zu werden. David liebt die Stadt, ich habe sie eher mit gemischten Gefühlen in Erinnerung. Trotzdem ist sie eine Reise wert, weil man bei ihr das „richtige“ italienische Flair mitbekommt. An dem Abend waren wir auch nochmal stilecht neapolitanische Pizza essen und zwar in der Pizzeria Brandi, welche als Geburtsstätte der Pizza Margherita gilt.

Florenz

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Zug vom Süden in Richtung Norden nach Florenz. Diesmal leider nicht ganz so reibungslos, weil ein paar Züge ausfielen. Nichtsdestotrotz kamen wir letztendlich im wunderschönen Florenz an. Spoiler: Das ist meine Lieblingsstadt der Reise, die Schwärmereien könnten also etwas ausufern. Am Ankunftstag haben wir die Gegend auf eigene Faust erkundet und dabei, wie so oft, bereits sehr viele Sehenswürdigkeiten gesehen. Darunter die David Statue, die berühmte Ponte Vecchio und die Gallerie degli Uffizi. Am Abend waren wir dann noch sehr lecker essen. Ich entschied mich für Spaghetti Aglio, Olio e Peperoncino – lecker!

Tatsächlich kann ich über unseren Aufenthalt in Florenz nicht so viel schreiben. Denn die meiste Zeit haben wir damit verbracht die Stadt zu genießen und sind viel ziellos durch die Gegend gelaufen. Was ich aber sagen kann ist, dass die Stadt einfach nur wunderschön ist. Eine witzige Story habe ich noch: Seit unserem Florenzaufenthalt hat David jetzt eine Mückenphobie der anderen Art entwickelt. Durch die Nähe zu dem Fluss gibt es dort allerhand der kleinen Blutsauger. Eines Nachts bin ich aufgewacht und habe ihn mit einem Handtuch nach den Mücken jagend „erwischt“. Da ich nachts einfach meine Hörgeräte raus nehme, höre ich die zum Glück nicht, wenn die mal an meinem Ohr vorbeisurren.

Den letzten Tag in Florenz verbrachten wir damit die andere Seite des Flusses Arno zu erkunden. Hier befindet sich die Altstadt, der Piazzale Michelangelo, der Giardino Bardini, der Palazzo Piti und andere schöne Sehenswürdigkeiten. Diese Seite von Florenz ist sehr bergig. Da allerdings die Luftqualität dort so gut ist, hat sich meine Lunge vom Feinstaub Neapels befreit und ich konnte fast mühelos die Hügel und Berge hinauf rennen. Ich vermute mal, dass ich Florenz auch deshalb in so guter Erinnerung habe. Für mich ist diese Stadt der Inbegriff von Bella Italia – teure italienische Designerläden neben Handwerkskunst, leckeres Essen, die typisch toskanische Flora und Fauna und die alten Gemäuer. Die schöne Kathedrale von Florenz haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Eigentlich wollten wir sie auch von innen betrachten, haben es dann aber bei der langen Schlange sein lassen. Selbst wenn man fast eine Stunde vor Öffnung da ist, muss man sehr lange warten. Wie du vielleicht gemerkt hast, haben wir in Florenz keine Führung gemacht. Das lag daran, dass wir die Stadt einfach nur genießen wollten. Hier hatten wir eine Wohnung weshalb wir einmal selbst gekocht haben. Nach so vielem Essen gehen, freut man sich auch darauf mal wieder. Den letzten Abend haben wir dann ganz entspannt ausklingen lassen.

Venedig

Nun kommen wir schon zur letzten Zugfahrt innerhalb Italiens. Während ich das hier so schreibe, werde ich sogar ein wenig sentimental als wäre ich nochmal in der Situation. Venedig – die Stadt der Liebe Italiens. Vieles haben wir vorher von ihr gehört, manches davon hat sich bewahrheitet und manches so überhaupt gar nicht. Da wir insgesamt nur einen ganzen Tag und eine Nacht in Venedig hatten, versuchen wir so viel wie möglich aus der Zeit raus zu holen. Eine Free Walking Tour war also zeitlich nicht drin. So liefen wir los und ließen uns durch die unzähligen Gassen und über die vielen Brücken treiben. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind ausgeschildert, also folgten wir als erstes den Schildern zum Markusplatz. Der Weg dorthin führte uns vorbei an Souvenirshops mit Pestmasken im Schaufenster, fantastisch riechenden Restaurants, Vinotheken, Touristengruppen, sehr schmalen Häusern und natürlich über Brücken unter denen die traditionellen Gondeln entlang fuhren. Angekommen auf dem Platz kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. So ein riesiges Gebäude in einer Stadt wo die Gassen teilweise so schmal sind, dass gerade mal eine Person hindurch kann, Wahnsinn. Aus Filmen kannten wir den Platz bereits aber live und in Farbe sieht man das Ausmaß selbstverständlich nochmal ganz anders. Wir beobachteten Touristen, die das typische Bild mit den Tauben machten – die Tauben zu füttern ist übrigens nicht erlaubt. Während wir so durch die Gassen spazierten, kamen wir an einem kleinen Weinladen vorbei. Eine Kleinigkeit wollten wir als Andenken und Mitbringsel nämlich mitbringen. Da dies unsere letzte Stadt war, beschlossen wir leckeren Wein zu kaufen. Unsere Wahl fiel auf einen trockenen Rotwein frizzante. Der italienische Verkäufer, mit dem wir uns mit Händen und Füßen verständigten erklärte uns, dass der Wein regional angebaut wird. Abends gingen wir noch Pizza essen – diesmal leider eher semi lecker. Das ist tatsächlich auch das einzige, was ich an Venedig kritisieren würde. Die guten von den „schlechten“ Restaurants zu unterscheiden ist hier besonders schwierig. Hinzu kommt, dass vermeintlich gute Restaurants dann auch gleich den Touristenbonus auf den Preis draufschlagen und es so eine sehr teure Angelegenheit wird essen zu gehen.

Am letzten Tag unserer Italienreise haben wir uns vormittags das jüdische Viertel angeschaut. Danach sind wir zur Punta della Dogana gelaufen und haben dort eine Pause bei einem wunderschönem Ausblick gemacht. Dann war auch schon Mittagszeit und wir haben uns auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Diesmal landeten wir in einem richtig guten und konnten somit die Restaurants in Venedig doch noch in guter Erinnerung behalten. Wir hatten noch den ganzen Nachmittag Zeit bis unser Nachtzug fur also beschlossen wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also einem Boot, zur Insel Murano zu fahren. Dort wird das weltberühmte Glas hergestellt. Kein Muss bei einem Aufenthalt in Venedig, kann man aber mal gesehen haben. Bepackt mit all unseren Sachen hieß es dann abends Abschied nehmen und Richtung Nachtzug laufen. Für die Rückfahrt hatte ich die besseren Kabinen gebucht. Leider durch ein Missverständnis bei der Buchung jeweils einen Schlafplatz im Frauen- und einen im Männerabteil. Naja, für das nächste Mal weiß ich dann Bescheid. Immerhin waren die Betten deutlich bequemer als auf der Hinfahrt und die Frühstücksauswahl vielfältiger. Morgens in München am Hauptbahnhof angekommen, warteten wir ca. eine Stunde und fuhren mit dem ICE zurück nach Hannover.

Würde ich die Reise nochmal genau so machen?

Fest steht, dass es eine der schönsten Reisen war, die ich bislang gemacht habe. Allerdings habe ich bei der Planung nicht bedacht, dass mein Körper der Stress, welcher mit der Reise einhergeht nicht gut tun könnte. Ich habe die ganze Reise hindurch unter Magen-Darm-Problemen gelitten und mein Körper hat mir deutliche Signale gegeben, dass das alles zu viel für ihn ist. Insofern würde ich genau diese Reise nicht nochmal machen. Allerdings planen wir jetzt schon eine nächste Reise mit dem Zug nach Italien. Dann jedoch mit weniger Städten und längere Aufenthalte an den Orten sodass mein Körper sich nicht ständig umstellen muss. Zudem sind wir quasi jeden Tag durchgehend gelaufen und haben unseren Körpern nur nachts Ruhe gegönnt.

Eine Zugreise an sich kann ich jedoch JEDEM wirklich wärmstens ans Herz legen. Man bekommt einfach so viel mehr mit, wenn man Slowtravel (langsam reisen) betreibt. Man erlebt Dinge, die man bei einer Flugreise nicht erleben würde. Man lernt Menschen kennen. Insbesondere mit dem Interrailticket ist man super flexibel was die Zielorte angeht. Was ich bedenken würde, wäre die Fahrtzeit, die man benötigt, um überhaupt in dem Land erstmal anzukommen. Wir sind damals ca. 18 Stunden gefahren, um an unserem ersten Ziel anzukommen. Das ohne Zwischenstopp in einer anderen Stadt ist schon eine Hausnummer.

Italien für eine solche Zugreise kann ich euch ebenfalls sehr empfehlen, da die Infrastruktur in den meisten Gegenden sehr gut ausgebaut ist und die Züge meistens pünktlich sind. Außerdem ist Italien einfach ein wunderschönes Land mit sensationell leckerem Essen.

Kosten

  • alle Kosten sind für 2 Personen
  • Hannover – München Hin- und Rückfahrt: 147,10€ (inkl. Sitzplatz) mit Ermäßigung einer Bahncard 25
  • Nachtzug München – Venedig Hin- und Rückfahrt: 397,80€
  • Interrail Ticket für Italien: 299,00€
  • Unterkünfte (alle 3 Nächte außer Venedig – 1 Nacht): Rom (241,60€), Neapel (173,90€), Florenz (285,00€), Venedig (166,00€)
  • Fixkosten gesamt: 1710,40€
  • Hinzu kommen noch variable Kosten für öffentliche Nahverkehrsmittel, Eintritt für Sehenswürdigkeiten, Trinkgeld für Free Walking Tours, Kosten für Verpflegung.

CO²-Bilanz

  • Wären wir zu jedem Ziel mit dem Flugzeug gereist hätten wir zusammen eine CO²-Bilanz von 2.360 kg CO².
  • Ein IC/ICE stößt 3,6 kg CO² auf 100 km aus. Laut Google Maps haben wir eine Gesamtstrecke von fast 4000 km zurückgelegt – allerdings anhand eines PKW berechnet. Unser CO²-Fußabdruck für diese Reise betrug mit dem Zug also nur 144 kg CO²für uns beide. Das sind gerade mal 6% von der CO²-Bilanz mit dem Flugzeug.
  • Nehmen wir mal an, wir wären innerhalb Italiens mit dem Zug gereist und nur für die Hin- und Rückreise geflogen. So kämen wir für den Flug von Hannover nach Rom auf 1.432 kg CO₂ und für den Flug von Venedig nach Hannover auf 800 kg CO². Insgesamt sind das dann zusammen 2.232 kg CO². Das ist immer noch deutlich mehr als unsere gesamte Zugreise.
  • Zur Einordnung: Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen liegt bei 2.300 kg CO².

Tipps für deine Zugreise

  • Tickets, insbesondere Nachtzugtickets, früh genug buchen für günstige Preise und Wunschsitz-/schlafplätze
  • Langsam rantasten. Such dir für die erste Zugreise einen Ort aus, der nicht mit vielen Umstiegen und langer Reisezeit verbunden ist.
  • Meine Reise Essentials: Kopfhörer (am besten Musik downloaden), Buch, Zeitung, Netflixdownloads, aufblasbares Nackenhörnchen, Kaspeln mit Ingwerwurzelextrakt
  • Genügend ballaststoff- und wasserreiche Snacks und Getränke mitnehmen – spart Verpackungen, ist günstiger und meistens gesünder.
  • Die wichtigsten Unterlagen immer griffbereit in einer Extratasche oder einem Extrafach lagern.

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